Rückblick auf den Neuanfang nach dem Krieg

Wie in fast allen Stadtteilen Stuttgarts ist auch in Heslach das Ende des Krieges im Schulwesen zu spüren. Die alte Schreiberschule ist zerstört und die Lerchenrainschule schwer beschädigt.

Die Heslacher Kinder kommen in den letzten Kriegswochen nach und nach aus ihren Verschickungsorten zurück. Einen langen Sommer über – bis in den Herbst hinein – bleiben sie in der Obhut der Eltern oder der Straße überlassen. Alle sind froh, als im Herbst 1945 der Unterricht an der Lerchenrainschule endlich wieder aufgenommen wird.

Es ist ein schwerer Anfang. Fast sämtliche Scheiben der Schule sind zerbrochen und – weil es an Glas fehlt – nur notdürftig mit Pappe geflickt. Die Schüler sitzen in dunklen Klassenzimmern, die durch die wenigen übrig gebliebene Scheiben und meistens nur durch eine einzige elektrische Lampe erhellt werden.

Schichtunterricht und Schließung wegen der Kälte

Da wegen der Kriegsschäden nicht alle Klassenzimmer benutzt werden können, wird Schichtunterricht notwendig. Als es bei Einzug des Winters richtig kalt wird, muss die Schule wieder geschlossen werden. Der Kohlenmangel der ersten Nachkriegsjahre erlaubt es einfach nicht, die Zentralheizung in Gang zu setzen. Vorübergehend werden die Klassen nun nach Kaltental, Degerloch und in die Jakobsschule geschickt – lange Schulwege zu Fuß sind deshalb an der Tagesordnung.

Noch schlimmer als dieser äußere Notstand wirkt sich der Lehrermangel aus. Nur wenige der bisherigen Lehrer dürfen wegen ihrer politischen Vorbelastung weiterhin Unterricht halten. Hilfslehrer, die kaum eine pädagogische Ausbildung erfahren haben, müssen 2 bis 3 Klassen mit jeweils über 50 Schülern unterrichten. Schulbücher gibt’s nicht. Und auch die Schulverwaltung steht vor fast unlösbaren Problemen, denn alle Schulakten sind in den Wirren des Kriegsendes verschwunden oder verbrannt.

Schulspeisung hilft den Kinder in größter Not

Ein weiteres schlimmes Problem ist der Hunger. Für viele Kinder ist die tägliche Schulspeisung – meistens nur ein Napf mit Suppe oder Eintopf – häufig die einzige Mahlzeit des Tages. Familie Jaspers und einige Helferinnen kochen in selbstloser Weise für die Kinder und werden dadurch belohnt, dass die Kessel restlos geleert werden.

Aber immerhin: Es gibt überhaupt wieder Unterricht, auch wenn die Schüler täglich nur 2 Stunden in die Schule gehen dürfen. Die Schule leitet damals Frau Frank und ab 1947 Rektor Memminger. Die Lerchenrainschule dient in dieser Zeit zugleich auch noch als Übungsschule für die Studenten des Pädagogischen Instituts in Stuttgart, was die Belastungen für die Schulleitung und die Lehrerschaft zusätzlich erhöht.

Es dauert Jahre, bis der innere und äußere Aufbau der Lerchenrainschule soweit gediehen ist, dass man von regulären Verhältnissen sprechen kann. Im Jahr 1949 gibt es endlich wieder genügend Lehrer an der Schule, so dass jede Klasse ausreichend unterrichtet werden kann. Jetzt gilt es, die Lücken und Mängel im Wissen und in all den Fertigkeiten zu überwinden, die diese schreckliche Zeit hinterlassen hat.

Die Schülerzahlen schwanken in der Nachkriegszeit zwischen 1.200 und 1.400 Schülern. Da im Vergleich zu den Außenbezirken von Stuttgart in Heslach relativ wenig gebaut wird, bleibt der Neuzugang von Schülern gering. Aber der Wegzug von jungen Familien, die eine eigene Wohnung am Stadtrand finden, bringt auch keine spürbare Verminderung der Schülerzahl.

Die Schüler sind auf 35 Klassen verteilt. Diese Mammut-Schule wird, um überhaupt eine überschaubare Führung der Schule zu ermöglichen, im Jahre 1952 in 2 Rektorate, je eines für Knaben und Mädchen, aufgeteilt. Als das Backsteinhäusle bei der früheren Schreiberschule wieder instand gesetzt ist, wird dort eine selbständige Grundschule mit vier Klassen eingerichtet. Den Schülern, die jenseits der Böheimstraße wohnen, erspart man so die Überquerung dieser mit der Zunahme des Verkehrs immer gefährlicher werdende Verkehrsachse. Aus dem gleichen Grund werden auf Wunsch der Eltern zwei Mädchenklassen in der Schickhardtschule untergebracht.

Eltern erhalten mehr Mitspracherecht: Der erste Elternbeirat wird gewählt

Um den Eltern mehr Mitspracherecht in Schulangelegenheiten einzuräumen, werden Anfang der fünfziger Jahre erstmals Elternbeiräte gewählt. Diese Institution verbessert nachhaltig die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternschaft. Hierbei soll besonders des Wirkens von Herrn Butz gedacht werden, der von Beginn dieser Einrichtung bis 1956 Vorsitzender des Elternbeirats an der Lerchenrainschule ist.

Zug um Zug mit dem inneren Aufbau der Lerchenrainschule werden nun die immer noch vorhandenen Bauschäden beseitigt. In den Jahren nach 1948 werden von der Stadtverwaltung von Jahr zu Jahr mehr Mittel zur Verfügung gestellt, um auch die letzten Kriegsschäden zu beheben. Die Klassenzimmer erhalten wieder Fenster, neue Bodenbeläge und freundliche Wandanstriche. Das Dach wird neu gedeckt und der Zaun erneuert. Flure und Treppenhäuser werden gestrichen.

Die Lehrküche für den Hauswirtschaftsunterricht der Mädchen wird wieder eingerichtet. Für den Physik-, Chemie- und Werk-Unterricht werden geeignete Räume geschaffen. Die Schultoiletten werden erneuert. Die Krönung der Instandsetzungs- und Erneuerungsarbeiten wird allerdings die Turnhalle, die bis zum 50-Jahr-Jubiläum 1959 fertig gestellt wird. Vor allem die Hallendecke, die auch von den Schülern vom Schulhaus aus als Terrasse benützt werden kann, wird von Grund auf erneuert.

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