50 Jahre Lerchenrainschule: Heslach im Jahr 1909

Eine alte Heslacherin berichtet

»Das waren noch ruhige Zeiten«, erzählt eine alte Heslacherin. »Da konnten wir Kinder noch ohne Gefahr auf der Straße spielen. Den Pferdefuhrwerken waren wir schnell ausgewichen. Sie störten uns kaum in unserem Ballspiel. Und die Autos? Sie störten noch weniger. Ab und zu kreuzte eines auf. Das Tempo war so gering, dass auch hier keine Gefahr für die Kinder bestand. Es war damals ein Ereignis, wenn wir ein Auto sahen. Es hatte noch Seltenheitswert. Ertönte das Hupen, so sprangen die Hausbewohner ans Fenster, um sich diesen seltenen Anblick eines Autos nicht entgehen zu lassen. Heslach war vor 100 Jahren auch noch bedeutend dünner besiedelt. Im Eiernest standen noch keine Häuser (sie wurden erst nach dem 1. Weltkrieg erstellt). Das ganze Gelände bestand aus Obstgärten. Für die Kinder jenseits des Eiernestes ergab das einen herrlichen Schulweg. Ebenso gab es die Karl-Kloß-Straße mit ihren Häuserblocks und die Waldfriedhofstraße noch nicht. Der Schulweg war also für alle Kinder noch gefahrlos. Zudem bestand ja die Schreiberschule, welche die Kinder von jenseits der Böheimstraße aufnahm.
 
An Schulhäusern standen die Schreiberschule und das ,Backsteinhäusle‘ (früher Lang und Bumillersche Fabrik) zur Verfügung. Die Mittelschülerinnen mussten bis 1909 in die Eberhardschule wandern, selbstverständlich zu Fuß. Viermal am Tag machten sie bei vier Schulnachmittagen diesen Weg, obwohl es eine Straßenbahn gab. Aber vom Fahren war bei den Eltern gar nicht die Rede!
 
Der Ochsenplatz (heute Bihlplatz) war damals noch der Mittelpunkt Heslachs. Dort stand noch das ganz alte Schul- und Rathaus, das nach dem 2. Weltkrieg wegen Fliegerschadens abgebrochen werden musste. Mit ihm ist ein Stück altes Heslach verschwunden.
 
Auch eine ,Kirbe‘ gab es noch. Auf dem Platz um die Matthäuskirche war alles zu finden, was zu einer echten Kirbe gehört. Für 5 Pfg. durften wir Karussell fahren.
 
Vor 100 Jahren hatte Heslach noch einen ländlichen Charakter, es gab mehr Kühe als Autos. Die Hauptrolle spielte der Weinbau. Täglich sah man die Wengerter. mit ihren Krätzen die steilen Hänge hinaufsteigen. Diese Wengerter waren die echten ,Heslicher‘, rau aber herzlich. Bei ihnen wusste man, woran man war. Von Jahr zu Jahr nahm die Zahl der Weinberge ab. Die Industrie hielt Einzug. Infolgedessen bekam Heslach reichlich Zuzug, es wurde viel gebaut und allmählich verschwanden und verschwinden noch immer mehr Grünflächen an den Hängen.«

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